Angst

Lösungswege zu einer alltäglichen Fragestellung

Angst ist das vielleicht wichtigste Problem des heutigen Lebens.

Aber zugleich ist Angst ein Tabu – über Angst wird selten gesprochen, und wenn, dann nicht wirklich offen und vertrauensvoll. Angst wird verdrängt. Man gibt nicht zu, daß man Angst hat, und vor allem nicht, wenn man Angst hat.

Angst ist allgegenwärtig

Die meisten Vorkehrungen der modernen Zivilisation dienen dazu, Angst zu vermeiden und scheinbar auszumerzen: Ablenkung, „Unterhaltung“, Versicherungen aller Art, Medienberieselung usw. sind die Gegenmittel.

Und doch nützt alles das nichts, denn Angst läßt sich so zwar verdrängen, aber nicht loswerden.
Sie kommt immer wieder. Und ein Kampf gegen sie, der versucht, sich ihrer zu entledigen, kann niemals zum Erfolg führen.

Denn Angst ist nicht das, was sie scheint. Angst ist nicht so negativ und schlecht, wie sie gemeinhin eingeschätzt wird.
Was wir als „Angst“ bezeichnen, ist eine Interpretation eines bestimmten inneren Spannungs- und Energiezustandes. Der erste Schritt ist, das Wort „Angst“ zu streichen oder total umzubewerten: Es ist nichts Negatives. „Angst“ heißt nach herkömmlicher Denkweise: Da ist eine Mauer, da geht es nicht weiter. Genau das ist der größte Irrtum. „Angst“ bzw. dieses Spannungsgefühl ist ein höherer Energiezustand als der Normalzustand. Die Lebenskraft ist auf einen präsenteren Grad angehoben, und zwar genau diesen: Etwas Neues tun zu können, handeln zu können und handeln zu wollen.

Dieses Wollen und Können, dieses virulente, akute Gefühl von Energie nennt der Verstand „Angst“, weil er absolut kein Interesse an Neuem hat. Man bleibt also an diesem Trick des Verstandes hängen.

Eines aber ist ganz sicher wahr: Was wir sind, ist nicht diese Interpretation des Verstandes, sondern wir sind genau dieses Handeln -Wollen – da ist sogar eine gewisse innere Lust und Freude an der Aktion, einen neuen Schritt zu wagen.

Das alles läßt sich recht einfach verifizieren. Man muß nur erst einmal dahinterkommen, daß wir einer Art Gehirnwäsche erlegen sind, deren Ursache in der allgemeinen Verdrängung begründet ist. Wir müssen hier selbst den Schritt wagen zu einer Neubewertung und zu eigenen Beobachtungen, eigenen Nachforschungen und neuen Erfahrungen, die wir nicht mehr nach dem alten Muster erklären und bewerten.

„Angst zu haben“ ist nicht negativ, nicht peinlich oder beschämend, sondern darin liegt bereits ein gewisses Verdienst. Wer Angst hat, ist gerade dabei, sich zu öffnen. Wer Angst hat, der steht gerade vor einem neuen Schritt, vor einer neuen Gelegenheit.

Wir brauchen nur dieses Gefühl aufkommen zu lassen und uns damit vertraut zu machen. Es ist eine Art Energie-Management: Man spürt: Aha, jetzt kommt diese Energie, jetzt habe ich da etwas zur Verfügung.

Was nicht nötig ist (bzw. kontraproduktiv wirkt), das ist die Schlußfolgerung, jetzt etwas „tun zu müssen“ oder „sich überwinden zu müssen“. Energie ist Energie und man „muß“ nicht, sondern „kann“ – wenn man will. Aber warum sollte man nicht wollen?

Der Witz ist, daß wir da, wo wir spüren, daß die Energie virulent wird, auch bereits einen Wegweiser haben nach der „Heiß-&-Kalt“-Methode – wo es „heiß“ ist, da liegt ein Schatz verborgen.

Wir fangen erst an, wirklich zu leben, wenn wir nach dieser Willensenergie gehen – d.h. es ist diese Energie, die UNS LEBT (nicht umgekehrt).

Es ist wirklich sehr simpel

Man fängt mit dieser neuen Sichtweise an, verifiziert sie und benützt sie immer wieder, und damit programmiert man die alte Denkweise mehr und mehr um. Und wird mehr und mehr zu dem, was man ist: Wille und nicht Denken.
Aspekte der Bewusstheit
Gewahrsamkeit, Achtsamkeit.

Der Verstand neigt dazu, alles zu gezwungen, zu verkrampft, zu hektisch, zu bemüht zu machen. Da ist immer ein Druck, eine Hektik – ja, manchmal sogar ein gewisser Fanatismus – wenn wir Dinge tun wollen.
Gewahrsamkeit legt den Akzent auf die Beobachtung dessen, was ist. Es ist oft schwer, Dinge einfach erst einmal so sein zu lassen, wie sie sind, sie geschehen zu lassen, wie sie geschehen, und mit Nüchternheit und Gelassenheit erst einmal genauer hinzuschauen, was da genau passiert und wie es passiert.

II : Das automatische Bewerten stoppen

Automatisches Bewerten ist eine der Gewohnheiten, die am meisten Schaden anrichten. Wenn wir etwas beobachten, folgt normalerweise das Bewerten unmittelbar auf dem Fuße: Das ist gut, das ist schlecht, das richtig, das falsch, das schön, das häßlich, das unnütz, das nützlich usw.

Es verlangt sehr viel Kraft und Selbstdisziplin, diesen Vorgang zu unterbinden und erst einmal weiter zu beobachten, ohne sich bereits ein fertiges Urteil gemacht zu haben. Wenn wir das aber leisten, so zeigt sich oft nach einer Weile, dass die Sache, die wir wahrgenommen haben, noch ganz andere Aspekte aufweist, als wir es zuerst annahmen. Durch vorschnelle Annahmen verhinderten wir die tiefere Einsicht.
Das ist schlecht, das muss sofort geändert werden – so lautet die automatische Reaktion. Das muss in Ordnung gebracht werden. Muss es wirklich in Ordnung gebracht werden? Ist es wirklich so falsch und schlecht, wie wir in der ersten Reaktion annehmen?

III : Die meisten Probleme erzeugen wir selbst

Probleme werden größer, wenn wir sie mit Aufmerksamkeit füttern – etwa indem wir das Problem immer wieder durchdenken, darüber reden und es zu einem Hauptaugenmerk machen. Viele Probleme sind nur auf den ersten Blick schlecht, unangenehm, ärgerlich – danach zeigt sich, dass sie uns zum Lernen zwangen, dass sie Qualitäten von uns abnötigten, die wir noch nicht fertig ausgebildet hatten.
Ohne Probleme, ohne ungelöste Fragestellungen würden wir bequem und schwach bleiben, bräuchten keine Entscheidungen zu treffen und uns nicht geistig umzustellen.