Liebesgedichte von William Shakespeare

Die Top 4 Liebesgedichte von William Shakespeare

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Lied der Helena

Oft ists der eigne Geist, der Rettung schafft,
Die wir beim Himmel suchen. Unsrer Kraft
Verleiht er freien Raum, und nur dem Trägen,
Dem Willenlosen stellt er sich entgegen.

Mein Liebesmut die höchste Höh ersteigt –
Doch naht mir nicht, was sich dem Auge zeigt.
Des Glückes weitsten Raum vereint Natur,
Daß sich das Fernste küßt wie Gleiches nur.

Wer klügelnd abwägt und dem Ziel entsagt,
Weil er vor dem, was nie geschehn, verzagt,
Erreicht das Größte nie. Wann rang nach Liebe
ein volles Herz und fand nicht Gegenliebe?
William Shakespeare (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter
Quelle: »Ende gut, alles gut«, 1602/1603

Mottes Lied

Wenn rot und weiß die Mädchen blühn,
Hat Sünde nie ein Zeichen;
Sonst macht ein Fehltritt sie erglühn,
Die Furcht wie Schnee erbleichen,
Was Schuld sei oder Schrecken nur,
Wer möcht es unterscheiden,
Wenn ihre Wange von Natur
Die Farbe trägt der beiden?
William Shakespeare (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter
Quelle: »Liebes Leid und Lust«, um 1593, gedruckt 1598

Lied der Desdemona

Das Mägdlein saß singend am Feigenbaum früh,
Sing Weide, grüne Weide!
Die Hand auf dem Busen, das Haupt auf dem Knie,
Sing Weide, Weide, Weide!
Das Bächlein, es murmelt und stimmet mit ein;
Sing Weide, grüne Weide!
Heiß rollt ihr die Trän und erweicht das Gestein;
Sing Weide, Weide, Weide!
Von Weiden all flecht ich mir nun den Kranz –
Sing Weide, grüne Weide!
O scheltet ihn nicht, sein Zorn ist mir recht –
Sing Weide, Weide, Weide!
Ich nannt ihn du Falscher! Was sagt er dazu?
Sing Weide, grüne Weide!
Seh ich nach den Mädeln, nach den Buben sieh du!
Sing Weide, Weide, Weide!
William Shakespeare (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter
Quelle: »Othello«, um 1601-1605

Balthasars Lied

Klagt, Mädchen, klagt nicht Ach und Weh,
Kein Mann bewahrt die Treue;
Am Ufer halb, halb schon zur See
Reizt, lockt sie nur das Neue!
Weint keine Trän und laßt sie gehn,
Seid froh und guter Dinge,
Daß statt der Klag und dem Gestöhn
Juchheissassa erklinge.

Singt nicht Balladen trüb und bleich,
In Trauermelodien:
Der Männer Trug war immer gleich,
Seitdem die Schwalben ziehen!
Weint keine Trän und laßt sie gehn,
Seid froh und guter Dinge,
Daß statt der Klag und dem Gestöhn
Juchheissassa erklinge.
William Shakespeare (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter
Quelle: »Viel Lärm um nichts«, 1599