Fliegen: Zurück zu den Wurzeln – Gedanken

Einfache Gedanken zum Thema Fliegen. Früher war das Fliegen noch eine richtig teure Angelegenheit. Als vor ungefähr zehn Jahren Ryanair vom ehemaligen Militärflughafen Hahn im Hunsrück aus Billigflüge aufnahm, war dies eine kleine Revolution. In den Jahren danach gab es immer mehr Billigflieger, die auch mir dann ein ganz neues Hobby ermöglichten – nicht immer zur Freude meiner Familie.

Meine Jugend erlebte ich noch in der Vor-Billigflieger-Zeit. In der 9. Klasse waren wir im Schullandheim in Südtirol, in der 10. Klasse ein Wochenende in München, in der 11. im damals noch geteilten Berlin und in der 12. Klasse reisten wir nach Prag.

Dies war kurz vor dem Fall des eisernen Vorhangs und vielleicht die tollste meiner Reisen mit der Schule überhaupt. Zwar fand ich die Situation der Menschen in der damaligen kommunistischen Tschechoslowakei teilweise bedrückend. Die Kehrseite der Medaille war aber, dass wir damals noch unsere D-Mark auf dem Schwarzmarkt umtauschen konnten und so in tschechischen Kronen über eine ungeheure Kaufkraft verfügten.

Opulente Mittagessen und der ein oder andere Absturz, der durch tschechisches Bier verursacht wurde, kosten kaum etwas. Heute ist Prag natürlich kein billiges Pflaster mehr, dafür aber umso mehr sehenswert. Als Verkehrsmittel nutzten wir damals immer Bus oder Bahn.

Reisegewohnheiten

Mittlerweile haben sich auch bei den Schülern die Reisegewohnheiten geändert.

Wenn ich nach London (spass)fliege, achte ich darauf, dies möglichst mittwochs zu tun. An diesem Tag ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass eine Schulklasse mitfliegt (mitunter sind es auch gleich deren zwei).

Man wird eben älter und der Krach, den man früher selbst gemacht hat, geht mir heute manchmal auf den Keks.

Wirklich billig sind diese Schulausflüge natürlich nicht, weil man bei keiner Airline ausreichend große Kontingente an Billigtickets bekommt, die gleich für eine ganze Schulklasse reichen würden. Hinzu kommen die Kosten für den Aufenthalt vor Ort.

Viele Eltern überlastet dies finanziell. Vor allem dann, wenn mehr als ein Kind da ist. Dies zuzugeben traut sich das aus Angst vor sozialer Ausgrenzung aber kaum jemand und so werden die Reisepläne meist widerspruchslos akzeptiert.

Dies war schon zu meiner Schulzeit ein Problem, das aber eher noch größer geworden sein dürfte. Einerseits hat sich die soziale Schere weiter geöffnet, andererseits scheinen die Reisen auch immer teurer zu werden. Als ich das Abi in der Tasche hatte, habe ich erst einmal gejobbt. Für die angesagtesten Abireisen hatte ich leider kein Geld und weil Fliegen teuer war, ging es damals noch per Interrail einen Monat quer durch Europa. Der Balaton in Ungarn, Calella oder Barcelona waren nur einige Ziele, die ich nach meinem Abi kennenlernen durfte.

Interrail

Interrail gibt es übrigens immer noch. Es hat aber heute nicht mehr die Bedeutung von damals.

Wer Fliegen gewohnt ist, macht sich nicht mehr die Mühe, tagelang mit dem Zug durch Europa zu fahren. Dabei lernt man gerade bei dieser Art des Reisens aber viele interessante Menschen und Länder kennen. Eigentlich ist es fast schon ein Armutszeugnis für mich, dass ich bestimmt schon 30 oder 40 mal über die Camargue in Südfrankreich geflogen bin, aber noch nie unten war.

Fazit

Familiär bedingt kann ich mich heute nicht einfach einen Monat lang aus dem Staub machen für eine Reise. Vielleicht kehre ich im Alter aber mal wieder zu den Wurzeln zurück. Lust hätte ich darauf.

Warum ich das hier schreibe? Vielleicht kann ich alle Flugbegeisterten dazu motivieren, einmal auf’s Flugzeug zu verzichten. Nicht nur wegen der Umwelt, sondern auch um eine Art des Reisens zu erleben, die Jüngere vielleicht gar nicht mehr kennen.

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