Gedenktagen – am Rande der Gedenktage?

Schon oft habe ich mich nach dem Sinn von Gedenktagen gefragt. Daher eine Nachlese des Gedenktags vom 27.01. zur Erinnerung an die Befreiung von Gefangenen im KZ Auschwitz und dem Ende der Nazi – Herrschaft und im Allgemeinen.

Die Gedenktagen

Die Gedenktage die ich meine, beziehen sich in erster Linie auf staatliche Gedenktage, die zumeist auf der geschichtlichen und historischen Vergangenheit beruhen – die jedoch im Allgemeinen, von der Mehrheit abgelehnt werden oder zumindest auf wenig Interessen stoßen und weniger gerne wahrgenommen werden, weil man sich sagt: Irgendwann muss auch mal Schluss sein!

Schluss mit Gräueltaten und den Vorwürfen, dass jeder Mitverantwortung für etwas trägt,
woran man selbst nicht beteiligt war und gerade so tut, als ob die Gegenwart problemlos sei.

Zudem würden sich die Menschen nicht ein Armutszeugnis ausstellen, wenn sie die Gräueltaten immer vor Augen haben müssen, um daran erinnert zu werden, was Mitmenschlichkeit bedeutet?

Nun stellt sich die Frage; warum legen die Politiker trotzdem so einen großen Wert auf solche Gedenktage?

Interesse wecken?

Um das Interesse für solche Tage zu wecken, unterstellt und provoziert man diejenigen, die darin keinen Sinn sehen, indem man ihnen Gleichgültigkeit und vergessen wollen unterstellt. Allein diese Unterstellung reicht, um viele von ihrer Meinung abzubringen und dem zu lauschen, warum Gedenktage so immens wichtig sind.

Es sind Tage, an denen sich die Politiker profilieren können und dem Volk suggerieren können, wie gut sie es unter ihrer Herrschaft und Regierung haben.

Dabei vergessen sie auch nicht, sich die angeborene Sensationsgier eines jeden zunutze zu machen, indem man detailliert auf Gräueltaten eingeht. Besonders wichtig sind solche, die evtl. noch nicht so bekannt waren.

Um das glaubhaft und zweifellos zu vermitteln, bedient man sich auch gerne den Aussagen von Zeitzeugen, die Gräueltaten und das Unmenschliche am eigenen Leibe erfahren haben.

So auch geschehen im Falle, Auschwitz. 20 Leute hat man aufgetrieben, die das Glück hatten, überlebt zu haben und man mag vergessen, dass das vor 70 Jahren war.

Danach erfolgt tiefe Besinnung das eigen Schuldeingeständnis, welches aber unverzüglich an die Bevölkerung weitergegeben wird, in der Erwartung, dass sich selbst die stolzesten und selbst bewusstesten Köpfe neigen und senken.

An Pathos lässt man es ebenfalls nicht mangeln und tiefe Anteilnahme und Betroffenheit, ganz so als ob es gestern geschehen sei, ist sowieso selbstverständlich und auch unerlässlich, wenn es authentisch und glaubhaft, selbst für den letzten Zweifler, herüber kommen soll.

Dazu ein Zitat (auszugsweise) aus der Rede, vom Bundespräsident am 27.01.15 vor dem Bundestag hielt, wobei er seiner Tränen nicht mehr Herr war, wie es hieß. Selbstverständlich wurde das von den Medien übertragen:

„Solange ich lebe, werde ich darunter leiden, dass die deutsche Nation mit ihrer so achtenswerten Kultur zu den ungeheuerlichsten Menschheits- verbrechen fähig war. Selbst eine überzeugende Deutung des schrecklichen Kulturbruchs wäre nicht imstande, mein Herz und meinen Verstand zur Ruhe zu bringen.“

Wem bei diesen pastoral, emotional vorgetragenen Worten, die an seine frühere Professur erinnerte, nicht das Herz aufging, konnte nur als kaltherzig, teilnahmslos und gleichgültig gelten. Niemand wird in dem Moment daran gedacht haben, dass sich der gleiche Mensch, für eine höhere, internationale militärische Beteiligung ausgesprochen hat. Überhaupt findet bei solchen Gelegenheiten eine erbarmungslose Schellte auf vergangener Kollegen statt, bei dem man ähnliches, weit von sich weisen kann.

Aber dann weitermachen?

Wer mag zu diesem Zeitpunkt und darüber hinaus realisieren, dass die gleichen Menschen, indirekt an ähnlichen Gräueltaten beteiligt sind, wenn sie Waffenlieferungen und Chemikalien zustimmen, die dazu geeignet sind Kampfmittel – z.B. Senfgas, Sarin etc. – herzustellen.

Nach Zeitzeugen muss man nicht lange suchen, sie kommen z.T. zu tausenden übers Mittelmeer.
Sollte irgendwann einmal der Abstand zu dem heutigen Geschehen so groß sein, wie zu den Vergangenen, dann wird man möglicherweise auch für die „Gräueltaten“ der Pharmaindustrie einen Gedenktag einlegen, die jährlich zigtausende vergiften. (4.500 wurden 2014, alleine in NRW registriert)

Es gäbe noch so viele Beispiele der heutigen Zeit, die es verdient hätten, später zu einem Gedenktag zu werden, oder ist dafür die Anzahl der Toten entscheidend? Enthauptungen, wie sie die IS durchgeführt hat, dürften dann keine Chance haben.

Aber seis drum, solche Gedenktage sind eben wichtig, damit man immer daran erinnert wird und nicht vergisst, welche Gräueltaten auf der Welt geschehen sind und unseren Enkeln werden wir ebenfalls eine Mitschuld dessen vererben, was wir alles zugelassen haben. Wohlgemerkt wir, die Politiker spielen dabei keine Rolle, denn sie wurden von uns gewählt und, dass sie das Vertrauen verdient haben, das beweisen sie an den Gedenktagen.

Dann noch etwas am Rande der Gedenktage.

Für besonders verantwortungslos halte ich es, wenn Kinder, Schulklassen in Konzentrationslager geschleppt werden.

Ein Leiter, solch einer fragwürdigen Touristenattraktion berichtete, wie unbeschwert und unbekümmert die Kinder diese Anlagen betraten und wie sie diese, seiner Meinung nach, nachdenklich, beeindruckt und schweigsam wieder verließen und er schien stolz darauf zu sein.
Verstört, geschockt und entsetzt hätte den Zustand der Kinder treffender beschrieben, wie sich herausstellte, als die Kinder danach gefragt wurden.

Verschiedene schienen traumatisiert, hatten Alpträume und konnten nächtelang nicht einschlafen, weil sie mit gräulichen Bildern konfrontiert wurden ohne vorher ausreichend darauf vorbereitet gewesen zu sein, was sie erwartet – sofern so etwas überhaupt möglich ist.

Was man den Kindern mit solchen Gedenktagen antut, daran denken weder Eltern, Lehrkörper und erst recht nicht die Politiker.

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