Satire: Was darf und Ist Satire? Grenzen?

Mit dem Anschlag auf das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ kam wieder verstärkt die Debatte auf, wie weit man mit Satire gehen dürfe. Eine Grenze zwischen Pressefreiheit und Beleidigung zu ziehen, fällt nicht immer leicht.

Wir haben alle noch die Bilder der dramatischen Tage in Paris im Kopf. Das Büro der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ wurde am 7. Januar gestürmt und zwölf Männer wurden getötet. Unter ihnen war auch der Herausgeber der Zeitung, Stéphane Charbonnier.

Das Blatt ist dafür bekannt, dass es des Öfteren Karikaturen über Mohammed abdruckt. Einige Anhänger des islamistischen Glaubens fühlen sich dadurch auf den Schlips getreten und bereits im Jahr 2011 kam es zu einem Brandanschlag auf die Redaktionsräume. Spätestens seit dem Anschlag vom Januar 2015 brandet wieder die Frage auf, ob man denn mit Satire beliebig weit gehen könne.

Was ist überhaupt Satire?

Das Wort Satire entstammt aus dem Begriff „satura lanx“, was „mit Früchten gefüllte Schale“ bedeutet. Etwas freier lässt es sich als „bunt gemischtes Allerlei“ bezeichnen.

Durch spöttische Übertreibung und Ironie werden damit menschliche Schwäche aufgedeckt oder politische oder gesellschaftliche Ereignisse karikiert.

Bereits in der Antike war die Satire weit verbreitet, beispielsweise verfassten die römischen Dichter Horaz und Juvenal bekannte Spottschriften. In der Gegenwart besitzt die Satire verschiedene Ausprägungsformen. Sie kann in Kurzgeschichten, wie bei Ephraim Kishon, oder in Fernsehsendungen wie beispielsweise der Harald Schmidt-Show oder der heute-Show vom ZDF auftreten.

Bekannte satirische Zeitschriften sind MAD, Eulenspiegel, Titanic und eben Charlie Hebdo.

Was darf Satire und wo gibt es eventuell Grenzen?

„Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt“ schrieb der deutsche Satiriker Kurt Tucholsky einst. Sein Text „Was darf Satire?“ gibt auf die Frage eine lapidare Antwort: „Alles.“ Diese Wendung wird in den letzten Tagen immer wieder zitiert.

Mit Satire provoziert man und eckt auch häufig an – das gehört zum Wesen dieser Gattung. Doch darf man alles und jeden in jeder erdenklichen Form kritisieren und beleidigen und sich auf die Pressefreiheit berufen? Sicherlich keine einfache Frage und eine Grenze zwischen der wichtigen Pressefreiheit und der ebenso wichtigen Würde des Menschen ziehen, fällt oft nicht leicht.

Die Gesetze, die in unserer Kultur die Pressefreiheit garantieren, und diejenigen, die die Persönlichkeitsrechte von Personen schützen sollen, befinden sich nicht häufig im Konflikt.

In Deutschland gingen bereits mehrere Fälle vor Gericht, bei denen sich Personen von Satire zu stark angegriffen gefühlt haben. Bisher gewann fast immer die Pressefreiheit. Der deutsche Anwalt Steffen Bunnenberg, der sich auf Medienrecht spezialisiert hat, hat sich dazu folgendermaßen geäußert:

„Es ist absolut akzeptabel, auf starke Mittel zurückzugreifen, um etwas deutlich zu machen. Auch die Nutzung scharfer Formulierungen, die man sich gut merken kann oder abwertende Kritik oder übertriebene Polemik ist zulässig. Auch wenn der Kläger sich persönlich beleidigt fühlt, ist das kein zwingender Grund, eine Veröffentlichung zu verbieten.“

Hört sich also an, als hätte man mit einer Klage wenig Aussichten auf Erfolg. Doch sind dann drastische Mittel wie Anschläge die einzige Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen?

Satiriker müssen über ihre Ziele nachdenken

Ein Verbrechen solchen Ausmaßes wie in Paris ist natürlich durch nichts zu entschuldigen. Dennoch sollte es Satiriker dazu veranlassen, sich über ihre Ziele klar zu werden.

Will man wirklich nur mit einem Augenzwinkern aktuelle Anlässe aufs Korn nehmen oder geht es darum, seine Macht unter dem Vorwand der Pressefreiheit zu zeigen und bewusst andere Personen zu verletzen?

Natürlich sollte man sich als Satiriker nicht „erpressen“ lassen, aber ist es wirklich ein Zeichen der Schwäche, wenn man die Gefühle der angegriffenen Personen achtet und eine Stufe zurückrudert, anstatt noch einmal einen draufzusetzen?

Stéphane Charbonnier hat jedenfalls die letzte Strategie gewählt. Auf jede Drohung und auf jeden Protest antwortete er mit neuem und schärferem Spott, was schließlich zur Eskalation geführt hat.

„Freie Rede ist ein Recht, aber Höflichkeit eine Tugend“ findet Matthew Yglesias von der amerikanischen Zeitschrift Vox. Auch wenn es erlaubt sei, öffentlich Personen direkt anzugreifen, sollte man nach den Geboten der Höflichkeit in manchen Fällen davon Abstand nehmen.

Die Meinungen gehen insgesamt weit auseinander. Die einen sagen „Ja, Humor und Satire dürfen alles“, während es die anderen durchaus eine Grenze sehen, die nicht überschritten werden solle. Jeder steht zu dieser Sache anders und gerade auch deswegen birgt Satire ein großes Konfliktpotenzial.

Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl und Respekt auf beiden Seiten könnte jedoch dazu beitragen, dass die Satire weiterhin friedlich existieren kann, ohne ernsthafte Konsequenzen fürchten zu müssen.

Oder?

Was ist Ihre Meinung?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.